Mythen über die Behandlung von Ängsten

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Gehirn

Mythen Angsttherapie

 

Es kursieren zahlreiche Mythen zum Umgang mit Ängsten, von denen einige keine förderliche Wirkung haben und andere sogar die Behandlung sabotieren können. Hier sind Gedanken eines Therapeuten hierzu.

Überblick

 

 

 

 

Es kursieren zahlreiche Mythen zum Umgang mit Ängsten, von denen einige keine förderliche Wirkung haben und andere sogar die Behandlung sabotieren können. Tatsächlich können einige Überzeugungen sogar die Angst vergrößern und festigen.

Besonders das Internet ist reich an Informationen und Fehlinformationen über Panikattacken, Phobien und andere Angststörungen. Dort sind auch einige Versprechungen für sofortige Lösung, selbst jahrelang peinigende Ängste.

Hier sind meine persönlichen Erfahrungen zu einigen Mythen über die Behandlung von Ängsten:

 

 

 

Mit dem Gummiband unangenehme Gedanken austreiben

 

Noch immer kursiert die Empfehlung unangenehme Gedanken durch das Schnipsen eines Gummibandes am Handgelenk loszuwerden. Taucht ein unangenehmer Gedanke auf, dann soll der kleine Schmerz Gedankenmuster und Reaktionen auflösen.

Das war eine Weile eine beliebte Technik in der Verhaltenstherapie. Meine Erfahrungen als Therapeut sprechen dafür, dass dadurch die unterdrückten Gedanken eher noch stärker und häufiger werden. Gerade die Gedanken, die wir vermeiden wollen, nehmen dadurch noch mehr Raum ein.

 

 

 

Sorgen sind hilfreich und vorbeugend

 

Sorgen soll man nicht mit ins Bett nehmen.

Ovid

 

Viele Menschen denken, dass es Vorteile hat, sich ständig Sorgen zu machen, weil es vorbereitend wirkt. Es soll ihnen dabei helfen sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

Doch das ist ein Mythos, der beim Umgang mit Ängsten nicht sehr förderlich ist. Obwohl schlimme Dinge von Zeit zu Zeit geschehen sind sie nicht so häufig, wie Menschen sie vorhersagen.

Wenn wir uns Sorgen machen und nichts Schlimmes passiert ist es einfach zu glauben, dass es wegen unserer Sorgen nicht eingetroffen ist, während es in der Tat wahrscheinlich nur ein Zufall war; eine Scheinübereinstimmung.

Risiken zu erkennen und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen ist hilfreich. Die Überzeugungen allerdings, dass besorgniserregende negative Emotionen dabei helfen sich auf schlechte Ereignisse einzustellen, haben Folgen. Die Wahrheit ist, dass, wenn tatsächlich etwas Schlimmes passiert, wir uns trotz der vielen Sorgen genauso schlecht fühlen und was noch schlimmer ist, dass wir zusätzlich vorher die Zeit vergeudet haben, um uns schlecht zu fühlen.

 

 

 

Um Ängste zu behandeln, müssen wir die Ursachen kennen

 

Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten.

H. P. Lovecraft

 

Was eine Angststörung auslöst und was sie am Laufen hält können zwei sehr verschiedene Dinge sein. Außerdem ist es in der Regel einfacher, die Angst anhand des gegenwärtig vorhandenen Denkens und Handelns zu lösen.

So kann beispielsweise eine spezifische Phobie, die in einem sehr frühen Alter durch ein Erlebnis ausgelöst wurde, für die gereifte Persönlichkeit im Grunde kein nennenswertes Problem darstellen. Die alleinige Erkundung dieses ursprünglichen Auslösers würde die Phobie Jahre später vermutlich nicht auflösen und kann höchstens einen kleinen Anteil an der Behandlung haben. Viel hilfreicher ist zu erkunden, was der Betroffene gerade denkt, was die Ängste aufrechterhält und wie sich das positiv verändern lässt.

 

 

 

Jede Angststörung wird durch ein biochemisches Ungleichgewicht verursacht

 

Der Fachliteratur ist zu entnehmen, das nicht jede Angststörung durch ein biochemisches Ungleichgewicht verursacht wird, das Medikamente erfordert. Eine Untersuchung durch einen Mediziner kann das klären.

Es gibt viele Ursachen für Angststörungen. Dazu gehören genetische Ursachen, ein stressiges oder traumatisches Ereignis, die Übernahme durch Lernen von den Eltern oder auch eine Kombination mehrerer Faktoren.

 

 

 

Angst muss vollständig beseitigt werden

 

Ich spreche manchmal mit Klienten und Ärzten, die sie zu mir schicken, die meinen, dass Angst an sich etwas sehr Schlechtes ist und deswegen vollkommen beseitigt werden muss.

Aus meiner Sicht schießt das über ein erstrebenswertes Ziel hinaus. Jedes Anzeichen von Angst ist ein Alarmzeichen dafür, dass etwas falsch läuft und Aufmerksamkeit und Veränderung benötigt.

Die Überzeugung, dass jede Angst negativ ist, vertieft Ängste nur noch zusätzlich. Wer glaubt, dass die Angst unerträglich ist, schiebt sie weg, will sie ignorieren und benötigt dafür Energie, die besser für eine konstruktive Handlung eingesetzt werden könnte. So entsteht eher das Gefühl die Kontrolle zu verlieren.

Vermeiden und ignorieren der Ursachen ist keine Lösung. Doch, wenn eine Angst sehr schmerzhaft ist, gibt es oft nur einen Gedanken; sie muss weg, um jeden Preis.

Allerdings ist Angst an sich natürlich und normal. Angst ist eine normale Reaktion des Körpers auf bedrohliche Wahrnehmungen, eine adaptive Reaktion auf Stress. Sie treibt uns an und sorgt dafür, dass wir uns nicht unnötig in Gefahr bringen.

Wenn wir erkennen, dass die Angst nicht die Bedrohung ist, sondern eine Reaktion darauf, gehen wir konstruktiver mit ihr um, anstatt sie anzuheizen. Erstaunlicherweise trägt genau diese Erkenntnis dann auch wesentlich dazu bei, dass sich diese Ängste reduzieren oder vollkommen auflösen.

 

 

 

Immer eine Papiertüte mit sich führen

 

Gut meinende Zeitgenossen empfehlen sich auf Panikanfälle vorzubereiten, um sich so sicherer zu fühlen. So empfehlen manche für den Fall des Hyperventilierens immer eine Papiertüte mit sich zu führen. Der Nachteil dabei ist, dass diese Papiertüten Betroffene ständig an ihre Angst erinnern. Es hält die Angst vor der Angst aufrecht! Hyperventilieren ist unangenehm, aber im Grunde normalerweise nicht gefährlich.

Wichtige Hinweise für Ihre Orientierung

 

Vor einer Kontaktaufnahme finden Sie auf diesen Seiten ausführliche Informationen zu Honorar, Terminvereinbarung, therapeutischen Rahmenbedingungen, Kontraindikationen und häufigen Fragen.

So können Sie sich bereits vorab ein klares Bild von meiner Arbeitsweise und den organisatorischen Voraussetzungen machen.

Die Inhalte dieser Website dienen der Information und Orientierung. Eine persönliche therapeutische Einschätzung entsteht im direkten Kontakt und im Rahmen der vereinbarten Zusammenarbeit.

Meine therapeutische Tätigkeit erfolgt auf Grundlage der staatlichen Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz.

Medizinische Diagnostik, ärztliche Behandlung und medikamentöse Therapie gehören in den entsprechenden ärztlichen beziehungsweise psychiatrischen Rahmen. Wenn eine solche Abklärung sinnvoll erscheint, kann sie die psychotherapeutische Begleitung ergänzen.

Bei akuten psychischen Krisen, Suizidgedanken, psychotischen Symptomen oder dringendem medizinischem Klärungsbedarf wenden Sie sich bitte unmittelbar an die zuständigen ärztlichen oder psychiatrischen Stellen, eine psychiatrische Notaufnahme beziehungsweise den Notruf 112.

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Beiträge zum Thema

Häufige Fragen zu Ängsten und Angststörungen

 

Angst kann verwirrend sein.

Manchmal versteht der Verstand längst, dass eine Situation sicher ist.

Und trotzdem reagiert der Körper.

Das Herz schlägt schneller.

Die Gedanken kreisen.

Der Impuls entsteht, eine Situation zu verlassen oder künftig zu vermeiden.

Viele Menschen fragen sich dann:

„Was passiert da mit mir?“

„Ist das gefährlich?“

„Kann sich das wieder verändern?“

„Was hilft wirklich?“

Auf dieser Seite beantworte ich häufige Fragen zu Ängsten und Angststörungen.

Die Antworten dienen der Orientierung.

Eine individuelle therapeutische Einschätzung entsteht immer aus der persönlichen Situation.

 

 

 

Ist Angst grundsätzlich etwas Schlechtes?

 

Angst gehört zu unserem natürlichen Schutzsystem.

Sie hilft uns, Gefahren wahrzunehmen, Aufmerksamkeit zu bündeln und schnell zu reagieren.

Ohne Angst wären wir deutlich schlechter geschützt.

Problematisch wird Angst vor allem dann, wenn das Alarmsystem sehr empfindlich reagiert.

Dann entsteht starke Angst auch in Situationen, die objektiv vergleichsweise sicher sind.

Oder die Angst bleibt lange aktiv, obwohl die ursprüngliche Belastung bereits vorbei ist.

Therapeutisch geht es deshalb selten darum, Angst vollständig abzuschaffen.

Es geht darum, dass das Alarmsystem wieder angemessener reagiert und Sie mehr Freiheit im Umgang damit gewinnen.

 

 

 

Ist Angst gefährlich?

 

Angst kann sich ausgesprochen intensiv anfühlen.

Herzrasen.

Zittern.

Schwindel.

Atemveränderungen.

Engegefühl.

Hitze.

Übelkeit.

Ein Gefühl von Kontrollverlust.

Diese Reaktionen können erschreckend wirken.

Bei einer Angstreaktion aktiviert der Körper Schutzmechanismen, die auf schnelles Handeln vorbereiten.

Die Symptome selbst sind dabei häufig Ausdruck dieser Aktivierung.

Körperliche Beschwerden verdienen zugleich eine angemessene medizinische Abklärung, besonders wenn sie neu auftreten, sich verändern oder bisher ungeklärt sind.

Nach einer solchen Abklärung kann es sehr entlastend sein zu verstehen:

Ein starkes Alarmsignal bedeutet nicht automatisch eine starke äußere Gefahr.

 

 

 

Kann man vor Angst ohnmächtig werden?

 

Viele Menschen mit Panik oder starker Angst fürchten eine Ohnmacht.

Bei typischen Angst- und Panikreaktionen steigt die körperliche Aktivierung häufig zunächst an.

Ohnmachten sind deshalb bei klassischen Panikreaktionen eher ungewöhnlich.

Eine Ausnahme können bestimmte Reaktionsmuster sein, etwa bei Blut-, Verletzungs- oder Spritzenphobien. Dort kann es zu einem deutlichen Blutdruckabfall kommen.

Wenn Sie Ohnmachtsanfälle erleben, gehört die Ursache medizinisch abgeklärt.

 

 

 

Ist ein Leben ohne Angst möglich?

 

Ein vollkommen angstfreies Leben wäre weder realistisch noch wünschenswert.

Angst schützt.

Das therapeutische Ziel lautet eher:

Angst darf wieder die passende Größe bekommen.

Sie darf auftauchen, wenn sie gebraucht wird.

Und sie darf wieder abklingen.

Menschen können lernen, Angst wahrzunehmen und gleichzeitig handlungsfähig zu bleiben.

Genau daraus entsteht Freiheit.

 

 

 

Ist Angst angeboren oder erlernt?

 

Beides spielt eine Rolle.

Menschen unterscheiden sich in ihrer biologischen Sensibilität.

Auch Temperament und Stressreaktivität können verschieden ausgeprägt sein.

Gleichzeitig lernt unser Nervensystem aus Erfahrungen.

Ein konkretes belastendes Erlebnis kann Angst prägen.

Auch wiederholter Stress, Beobachtungslernen, Beziehungserfahrungen oder Vermeidung können eine Rolle spielen.

Deshalb ist die sinnvollere Frage häufig:

Wie ist mein persönliches Angstmuster entstanden – und was hält es heute aufrecht?

 

 

 

Wie entsteht eine Angststörung?

 

Angststörungen entstehen meist aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

Dazu können gehören:

biologische Empfindlichkeit,

belastende Erfahrungen,

lang anhaltender Stress,

bestimmte Bewertungen,

starke Selbstbeobachtung,

Lernerfahrungen,

Vermeidungsverhalten,

Sicherheitsstrategien,

körperliche Sensibilität

und psychosoziale Belastungen.

Das bedeutet gleichzeitig:

Es gibt mehrere Ansatzpunkte für Veränderung.

 

 

 

Ist Angst reine Kopfsache?

 

Angst ist weit mehr als Denken.

Sie umfasst Körper, Gehirn, Nervensystem, Aufmerksamkeit, Verhalten und Lernerfahrungen.

Der Verstand kann durchaus wissen:

„Ich bin sicher.“

Und der Körper reagiert gleichzeitig:

„Gefahr.“

Genau deshalb reicht der Satz „Denk einfach anders“ häufig kaum aus.

Therapeutische Veränderung entsteht besonders wirksam, wenn Denken, Körperreaktionen, Verhalten und neue Erfahrungen zusammenkommen.

Mehr dazu:

Ist Angst reine Kopfsache?

 

 

 

Warum reagiert mein Körper, obwohl ich weiß, dass ich sicher bin?

 

Automatische Alarmreaktionen können schneller ablaufen als bewusste Bewertungen.

Das Nervensystem arbeitet stark mit Mustern und Erfahrungen.

Wenn eine Situation früher mit Gefahr, Überforderung oder Kontrollverlust verbunden wurde, kann der Körper bereits reagieren, bevor der bewusste Verstand die Lage vollständig eingeordnet hat.

Das erklärt einen häufigen Satz meiner Patientinnen und Patienten:

„Ich weiß, dass nichts passiert. Mein Körper glaubt mir bloß noch nicht.“

Therapeutisch geht es deshalb um neue Erfahrungen.

Der Körper darf zunehmend erleben:

Diese Situation kann ich bewältigen.

 

 

 

Was bedeutet Angst vor der Angst?

 

Nach einer intensiven Angst- oder Panikerfahrung kann die Angst vor einer Wiederholung entstehen.

Dann richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf mögliche erste Anzeichen:

„Ist mir gerade schwindelig?“

„Schlägt mein Herz schneller?“

„Beginnt es wieder?“

Diese intensive Beobachtung erhöht häufig die Anspannung.

Körperempfindungen werden stärker wahrgenommen.

Und genau das kann erneut Angst auslösen.

So entsteht ein Kreislauf.

Ein wichtiger therapeutischer Schritt besteht darin, Körperempfindungen wieder angemessener einzuordnen und die eigene Selbstwirksamkeit zu stärken.

 

 

 

Was ist eine Panikattacke?

 

Eine Panikattacke ist eine Phase sehr intensiver Angst, die häufig rasch ansteigt.

Typische Symptome können sein:

Herzklopfen,

Atemveränderungen,

Schwindel,

Zittern,

Schwitzen,

Enge,

Übelkeit,

Derealisation,

Angst vor Kontrollverlust

oder die Befürchtung, etwas Schlimmes könne geschehen.

Gerade die Intensität führt häufig dazu, dass Menschen beginnen, die Panik selbst zu fürchten.

Dann wird aus einer einzelnen Erfahrung möglicherweise ein größerer Angstkreislauf.

 

 

 

Warum fühlt sich Angst manchmal an, als würde ich sterben?

 

Starke Angst aktiviert das Schutzsystem des Körpers.

Viele der entstehenden Empfindungen werden normalerweise mit Gefahr verbunden.

Wenn Herz, Atmung und Wahrnehmung sich plötzlich stark verändern, kann das Gehirn daraus schließen:

„Hier geschieht etwas Ernstes.“

Dadurch verstärkt sich die Alarmreaktion.

Bei medizinisch ungeklärten Beschwerden steht zunächst eine ärztliche Abklärung im Vordergrund.

Ist die körperliche Situation geklärt, hilft vielen Menschen ein besseres Verständnis ihrer Angstreaktionen.

 

 

 

Welche Rolle spielt Adrenalin bei Angst?

 

Adrenalin gehört zu den Botenstoffen, die bei einer Stress- und Alarmreaktion eine wichtige Rolle spielen.

Der Körper stellt Energie bereit.

Herz und Kreislauf passen sich an.

Die Aufmerksamkeit wird fokussierter.

Muskeln werden für Handlung vorbereitet.

Das kann sich sehr intensiv anfühlen.

Diese Aktivierung besitzt einen Sinn:

Der Organismus bereitet sich auf Schutz und Handlung vor.

 

 

 

Warum verändert Angst die Atmung?

 

Unter Stress verändert sich häufig die Atmung.

Sie kann schneller oder flacher werden.

Manche Menschen beginnen stärker zu atmen, als der Körper aktuell benötigt.

Dadurch können Empfindungen wie Kribbeln, Benommenheit oder Schwindel entstehen.

Diese Empfindungen werden wiederum möglicherweise als Gefahr bewertet.

So kann sich ein Kreislauf verstärken.

Eine ruhige, natürliche Atmung und ein hilfreicher Umgang mit Körperempfindungen können deshalb Bestandteil therapeutischer Arbeit sein.

 

 

 

Welche Rolle spielt die Amygdala?

 

Die Amygdala ist Teil eines komplexen Netzwerks im Gehirn, das an der Verarbeitung emotional bedeutsamer Reize beteiligt ist.

Sie wird häufig als „Angstzentrum“ bezeichnet.

Diese Vereinfachung greift jedoch zu kurz.

Angst entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen, Körpersysteme, Gedächtnisprozesse und Bewertungen.

Für Betroffene ist vor allem eine Erkenntnis wichtig:

Das Gehirn kann Gefahrenreaktionen lernen.

Und es kann durch neue Erfahrungen ebenfalls umlernen.

 

 

 

Warum bekomme ich plötzlich Angst ohne erkennbaren Grund?

 

Manchmal erscheint Angst wie aus dem Nichts.

Das bedeutet keineswegs, dass keinerlei Auslöser vorhanden war.

Möglicherweise wurde ein subtiler körperlicher Reiz wahrgenommen.

Ein Gedanke.

Eine Erinnerung.

Ein Geruch.

Ein bestimmter Ort.

Erschöpfung.

Stress.

Koffein.

Eine Körperempfindung.

Oder eine unbewusste Verbindung zu früheren Erfahrungen.

Therapeutisch muss deshalb keineswegs immer der eine große Auslöser gefunden werden.

Oft ist wichtiger, den gegenwärtigen Kreislauf zu verstehen.

 

 

 

Welche Rolle spielt Stress bei Angststörungen?

 

Anhaltender Stress kann das gesamte System empfindlicher machen.

Wenn der Organismus über längere Zeit stark beansprucht ist, sinkt häufig die Schwelle für Alarmreaktionen.

Menschen erleben dann beispielsweise:

mehr innere Unruhe,

stärkere Reizbarkeit,

schlechteren Schlaf,

intensivere Körperreaktionen

oder schnellere Überforderung.

Stressreduktion allein löst eine ausgeprägte Angststörung selten vollständig.

Sie kann jedoch einen wichtigen Teil der therapeutischen Arbeit bilden.

 

 

 

Können Sorgen Angst verstärken?

 

Sorgen sind zunächst ein Versuch, Probleme gedanklich vorzubereiten.

Bei übermäßigem Sorgen entsteht jedoch leicht eine dauerhafte Beschäftigung mit möglichen Gefahren.

Das Gehirn erhält immer wieder dieselbe Botschaft:

„Da könnte etwas passieren.“

Dadurch kann das Alarmsystem aktiv bleiben.

Besonders bei einer generalisierten Angststörung spielen schwer steuerbare Sorgen eine zentrale Rolle.

 

 

 

Welche Rolle spielt Perfektionismus?

 

Perfektionismus kann Ängste verstärken, wenn Sicherheit an unrealistisch hohe Bedingungen geknüpft wird.

Zum Beispiel:

„Ich darf keinen Fehler machen.“

„Ich muss sicher wissen, was passieren wird.“

„Ich muss vollständig vorbereitet sein.“

„Ich darf keinerlei Unsicherheit zeigen.“

Das Problem liegt weniger in hohen Ansprüchen als in der Bedeutung, die Abweichungen bekommen.

Therapeutisch kann es hilfreich sein, mehr Flexibilität und einen realistischeren Umgang mit Unsicherheit zu entwickeln.

 

 

 

Warum verstärkt Kontrollieren manchmal Angst?

 

Kontrollieren kann kurzfristig beruhigen.

Noch einmal die Tür prüfen.

Noch einmal den Körper überprüfen.

Noch einmal nach Symptomen suchen.

Noch einmal jemanden um Bestätigung bitten.

Die Erleichterung wirkt angenehm.

Und genau darin liegt ein möglicher Lernmechanismus.

Das Gehirn kann daraus schließen:

„Gut, dass wir kontrolliert haben. Offenbar war Kontrolle notwendig.“

Dadurch wächst beim nächsten Mal der Impuls, erneut zu prüfen.

 

 

 

Was ist Sicherheitsverhalten?

 

Sicherheitsverhalten sind Strategien, die helfen sollen, eine gefürchtete Situation auszuhalten oder eine vermutete Gefahr zu verhindern.

Beispiele:

immer in der Nähe eines Ausgangs sitzen,

nur mit Begleitung fahren,

ständig Wasser mitnehmen,

den eigenen Puls überprüfen,

eine bestimmte Person jederzeit erreichbar halten,

Fluchtwege planen.

Viele dieser Verhaltensweisen wirken zunächst vernünftig.

Entscheidend ist ihre Funktion.

Wenn das Nervensystem lernt:

„Ohne diese Strategie bin ich in Gefahr“,

kann Sicherheitsverhalten die Angst langfristig stabilisieren.

 

 

 

Warum kann Vermeidung Angst verstärken?

 

Vermeidung wirkt kurzfristig hervorragend.

Die gefürchtete Situation entfällt.

Die Anspannung sinkt.

Das Gehirn kann daraus lernen:

„Weggehen hat mich geschützt.“

Dadurch bekommt die Situation beim nächsten Mal noch mehr Bedeutung.

Der Lebensradius kann sich zunehmend verkleinern.

Therapeutisches Lernen setzt deshalb häufig darauf, angemessene neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Schritt für Schritt.

 

 

 

Muss ich mich meiner Angst stellen?

 

Bei vielen Angststörungen gehören neue Erfahrungen mit gefürchteten Situationen oder Körperempfindungen zu einer wirksamen Behandlung.

Dabei geht es um mehr als bloßes Aushalten.

Es geht um Lernen.

Zum Beispiel:

„Ich kann hier bleiben.“

„Ich kann diese Empfindung erleben.“

„Ich habe Handlungsmöglichkeiten.“

„Meine Befürchtung tritt anders ein als erwartet.“

Solche Erfahrungen verändern Angst häufig nachhaltiger als reine Beruhigung.

 

 

 

Ist Ablenkung bei Angst hilfreich?

 

Ablenkung kann kurzfristig entlasten.

Sie kann in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein.

Wird Ablenkung jedoch zur zwingenden Voraussetzung, kann daraus eine Sicherheitsstrategie entstehen.

Dann lautet die innere Botschaft:

„Ich kann Angst nur bewältigen, solange ich sie nicht wahrnehme.“

Therapeutisch ist häufig hilfreicher, Flexibilität zu entwickeln.

Manchmal Aufmerksamkeit bewusst umlenken.

Manchmal Körperempfindungen wahrnehmen.

Manchmal in der Situation bleiben.

Und dabei zunehmend erleben:

Ich kann damit umgehen.

 

 

 

Hilft Bewegung bei Angst?

 

Regelmäßige körperliche Bewegung kann psychisches Wohlbefinden, Schlaf, Stressregulation und körperliches Vertrauen unterstützen.

Sie ist deshalb häufig ein wertvoller Baustein.

Bei einer ausgeprägten Angststörung ersetzt Bewegung eine gezielte Behandlung kaum.

Sie kann sie sinnvoll ergänzen.

Besonders interessant ist Bewegung für Menschen, die körperliche Aktivierung selbst fürchten.

Denn der Körper darf dabei erleben:

Ein schnellerer Herzschlag, Wärme und stärkere Atmung können auch Ausdruck gesunder Aktivität sein.

 

 

 

Können Angststörungen Beziehungen belasten?

 

Ja.

Angst betrifft häufig auch das soziale Umfeld.

Partnerinnen, Partner oder Angehörige übernehmen möglicherweise immer mehr Aufgaben.

Gemeinsame Aktivitäten werden eingeschränkt.

Rückversicherung nimmt viel Raum ein.

Oder beide Menschen beginnen, ihr Leben zunehmend um die Angst herum zu organisieren.

Gleichzeitig können Beziehungen eine enorme Ressource darstellen.

Ein hilfreicher Umgang unterstützt den Menschen, ohne die Angststruktur dauerhaft zu verstärken.

 

 

 

Wie können Angehörige helfen?

 

Hilfreich sind häufig:

Ruhe,

Interesse,

Respekt,

Geduld

und Vertrauen in die Fähigkeiten der betroffenen Person.

Weniger hilfreich kann es sein, jede gefürchtete Situation dauerhaft zu vermeiden oder ständig neue Rückversicherung zu geben.

Eine hilfreiche Haltung lautet:

„Ich bin bei dir. Und ich traue dir zu, dass du zunehmend wieder eigene Schritte gehen kannst.“

 

 

 

Können Angststörungen mit zunehmendem Alter verschwinden?

 

Angststörungen entwickeln sich individuell.

Manche Beschwerden verändern sich über die Lebensspanne.

Andere bleiben bestehen oder wandeln ihre Form.

Entscheidend ist weniger das Alter allein als das Zusammenspiel aus Lernerfahrungen, Belastungen, Gesundheit, Lebenssituation und Umgang mit der Angst.

Auch langjährig bestehende Muster können sich verändern.

 

 

 

Kann Ernährung Angst beeinflussen?

 

Körperliche Faktoren können das Erleben von Angst beeinflussen.

Beispielsweise reagieren manche Menschen empfindlich auf größere Mengen Koffein.

Auch Schlafmangel, Alkohol, starke Schwankungen der Energieversorgung oder gesundheitliche Faktoren können körperliche Aktivierung verändern.

Eine ausgewogene Lebensweise kann deshalb unterstützend wirken.

Eine Angststörung lässt sich gleichzeitig kaum auf ein einzelnes Lebensmittel reduzieren.

 

 

 

Kann helles Licht Angst verstärken?

 

Licht beeinflusst unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und zahlreiche biologische Prozesse.

Bei manchen Menschen können sehr intensive Umweltreize, Schlafmangel oder sensorische Überforderung das allgemeine Aktivierungsniveau erhöhen.

Eine direkte pauschale Aussage „helles Licht verursacht Angststörungen“ wäre wissenschaftlich zu weitgehend.

Entscheidend ist die individuelle Reaktion und der Gesamtkontext.

 

 

 

Warum wird meine Angst morgens manchmal stärker erlebt?

 

Bei manchen Menschen verändert sich die Angst über den Tagesverlauf.

Dafür können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:

Schlafqualität,

Stresshormone,

Erwartungen an den kommenden Tag,

körperliche Aktivierung,

Blutzucker,

Gedanken unmittelbar nach dem Aufwachen

oder aktuelle Belastungen.

Auch hier lohnt sich ein individueller Blick auf wiederkehrende Muster.

 

 

 

Kann Angst vollständig geheilt werden?

 

Menschen fragen häufig nach Heilung.

Ich formuliere das therapeutische Ziel lieber konkreter.

Kann jemand wieder Bahn fahren?

Wieder reisen?

Wieder vor Menschen sprechen?

Wieder allein sein?

Wieder körperlichen Empfindungen vertrauen?

Wieder Entscheidungen treffen?

Wieder einen größeren Lebensradius erleben?

Solche Veränderungen sind sehr konkrete Zeichen therapeutischer Entwicklung.

Das Ziel besteht darin, dass Angst das Leben zunehmend weniger bestimmt.

 

 

 

Wann ist ein guter Zeitpunkt für Therapie?

 

Ein guter Zeitpunkt ist spätestens dann erreicht, wenn Angst beginnt, Entscheidungen oder Lebensqualität deutlich einzuschränken.

Zum Beispiel wenn Sie:

Situationen zunehmend vermeiden,

häufig unter starker Angst oder Panik leiden,

viel Zeit mit Sorgen verbringen,

ständig Ihren Körper kontrollieren,

immer mehr Sicherheitsstrategien brauchen,

berufliche oder private Aktivitäten einschränken

oder merken, dass sich Ihr Leben zunehmend um die Angst dreht.

Frühe Unterstützung kann helfen, bevor sich Vermeidung und Angstkreisläufe stärker verfestigen.

 

 

 

Welche Therapie hilft bei Angststörungen?

 

Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der jeweiligen Angststörung und der individuellen Situation ab.

Bei vielen Angststörungen gehören kognitive und verhaltensorientierte Verfahren sowie gezielte Konfrontation beziehungsweise Exposition zu den wissenschaftlich besonders gut untersuchten psychotherapeutischen Ansätzen.

Weitere Verfahren können passend zur Situation ergänzend eingesetzt werden.

In meiner Praxis arbeite ich integrativ und beziehe unter anderem hypnotherapeutische Elemente und Hypnobalancing™ ein.

Die Methode folgt dabei dem therapeutischen Ziel.

 

 

 

Hilft Hypnose bei Angst?

 

Hypnotherapeutische Verfahren können in einer psychotherapeutischen Behandlung verschiedene Funktionen übernehmen.

Zum Beispiel:

Aufmerksamkeit gezielt lenken,

Körperwahrnehmung verändern,

Ressourcen zugänglicher machen,

Selbstregulation unterstützen,

innere Erfahrungen vertiefen

und hilfreiche Vorstellungen nutzen.

Bei einer Angststörung ersetzt Hypnose dabei keine sorgfältige Diagnostik und keine therapeutisch sinnvollen Lernerfahrungen.

Sie kann Bestandteil eines integrativen Behandlungsplans sein.

 

 

 

Wie lange dauert eine Therapie bei Angst?

 

Das lässt sich seriös kaum pauschal beantworten.

Eine klar umrissene spezifische Phobie unterscheidet sich deutlich von einer komplexen Situation mit mehreren Angstbereichen, langjährigem Vermeidungsverhalten oder zusätzlichen Traumafolgen.

Deshalb arbeite ich ohne vorab festgelegtes Erfolgsversprechen oder starre Sitzungszahl.

Wir betrachten gemeinsam:

Was verändert sich?

Was braucht mehr Aufmerksamkeit?

Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?

 

 

 

Was kann ich selbst gegen Angst tun?

 

Ein hilfreicher Anfang besteht darin, das eigene Muster kennenzulernen.

Beobachten Sie beispielsweise:

Was löst meine Angst aus?

Welche Körperempfindung bemerke ich zuerst?

Welche Bedeutung gebe ich ihr?

Wohin richtet sich meine Aufmerksamkeit?

Was tue ich anschließend?

Was vermeide ich?

Welche Sicherheitsstrategien nutze ich?

Und dann die entscheidende Frage:

Welcher kleine Schritt würde meinem Nervensystem heute eine neue Erfahrung ermöglichen?

Therapeutische Veränderung entsteht häufig aus vielen solchen Erfahrungen.

 

 

 

Wann sollte Angst medizinisch abgeklärt werden?

 

Körperliche Symptome verdienen eine angemessene medizinische Abklärung.

Besonders dann, wenn Beschwerden:

neu auftreten,

ungewöhnlich stark sind,

sich deutlich verändern,

mit Bewusstlosigkeit oder anderen auffälligen Symptomen verbunden sind

oder bisher medizinisch ungeklärt bleiben.

Körperliche und psychische Perspektiven ergänzen sich.

Eine seriöse psychotherapeutische Arbeit berücksichtigt beides.

 

 

 

Wann braucht es schnelle Hilfe?

 

Bei akuten psychischen Krisen, konkreter Suizidgefahr, psychotischen Symptomen oder dringenden medizinischen Notfällen ist eine sofortige psychiatrische beziehungsweise ärztliche Versorgung erforderlich.

In Deutschland erreichen Sie den Rettungsdienst über 112.

Meine Praxis bietet keine psychiatrische Akut- oder Notfallversorgung.

 

 

 

Was ist der wichtigste Gedanke im Umgang mit Angst?

 

Vielleicht dieser:

Angst ist ein Alarmsignal. Sie ist kein Befehl.

Ihr Körper darf Angst melden.

Und Sie können zunehmend lernen, genauer zu prüfen:

Was geschieht gerade wirklich?

Was brauche ich?

Welche Möglichkeiten habe ich?

Welcher nächste Schritt entspricht meinem Leben?

Genau daraus wächst Selbstwirksamkeit.

 

 

 

Psychotherapie bei Ängsten und Angststörungen

 

Ich bin Karsten Noack.

Seit 1998 begleite ich Menschen therapeutisch bei Ängsten, Angststörungen und Traumafolgen – in Berlin-Charlottenburg und online.

Meine Arbeit verbindet psychotherapeutische Verfahren mit hypnotherapeutischen Elementen und Hypnobalancing™.

Dabei geht es mir um mehr als kurzfristige Beruhigung.

Menschen sollen ihr eigenes Alarmsystem besser verstehen, wieder mehr Vertrauen in sich und ihren Körper entwickeln und zunehmend den Lebensraum zurückgewinnen, den Angst eingeschränkt hat.

Wenn Sie überlegen, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, können Sie sich auf der Seite Ablauf & Honorar über die Rahmenbedingungen informieren.

Die allgemeine Seite Häufige Fragen zur Psychotherapie beantwortet zusätzlich Fragen zur ersten Sitzung, Hypnose, Online-Terminen und zum organisatorischen Ablauf.

Erstveröffentlichung: 2. Januar 2001
Letzte Überarbeitung: 01. Juni 2026
K: CNA
Ü:
#A23623
Englische Version: