Ist Angst nur eine Kopfsache?
Was Körper und Nervensystem damit zu tun haben
Sind Ängste nur Einbildung?
Das Umfeld meint es meist gut mit Menschen, die unter Ängsten leiden. Doch der Versuch zu helfen gelingt nur selten. So ist sehr oft zu hören, dass Angst doch reine Kopfsache ist. Und wenn sie nur eingebildet ist, kann es doch nicht so schlimm sein, oder?
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Ist Angst reine Kopfsache?
„Das ist doch nur in deinem Kopf.“
Diesen Satz hören Menschen mit starken Ängsten erstaunlich häufig.
Meist ist er gut gemeint.
Er soll beruhigen.
Und häufig erreicht er das Gegenteil.
Denn wer Angst erlebt, spürt sie oft sehr körperlich.
Das Herz schlägt schneller.
Die Atmung verändert sich.
Muskeln spannen sich an.
Der Magen reagiert.
Die Hände werden feucht.
Schwindel, Zittern oder ein Gefühl von Enge können hinzukommen.
Der Körper verhält sich, als wäre gerade etwas Wichtiges geschehen.
Deshalb lautet die kurze Antwort:
Angst ist keine reine Kopfsache.
Gedanken spielen eine wichtige Rolle.
Und Angst entsteht gleichzeitig im Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem, Körper, Erfahrungen, Aufmerksamkeit und Verhalten.
Gerade dieses Verständnis ist therapeutisch wertvoll.
Denn es eröffnet mehrere Wege, Angst zu verändern.
Angst ist zunächst ein Schutzsystem
Angst gehört zur menschlichen Grundausstattung.
Sie soll uns helfen, Gefahren früh zu erkennen und schnell zu reagieren.
Stellen Sie sich vor, Sie treten auf eine Straße und plötzlich nähert sich ein Fahrzeug.
Ihr Körper wartet in diesem Moment kaum auf eine ausführliche Analyse.
Das Nervensystem aktiviert innerhalb kurzer Zeit Prozesse, die Ihnen helfen sollen, zu handeln.
Aufmerksamkeit bündelt sich.
Muskeln werden aktiviert.
Herzschlag und Atmung verändern sich.
Der Körper stellt Energie bereit.
Das ist sinnvoll.
Angst ist deshalb zunächst kein Zeichen von Schwäche.
Sie ist ein biologisches Schutzprogramm.
Schwierig wird es, wenn dieses Schutzprogramm sehr empfindlich reagiert, häufig anspringt oder auch in Situationen Alarm meldet, die objektiv deutlich mehr Sicherheit bieten.
Wenn der Körper Alarm meldet, obwohl der Verstand Sicherheit erkennt
Viele Menschen mit Angststörungen kennen einen merkwürdigen Widerspruch.
Der Verstand sagt:
„Ich weiß, dass hier nichts passiert.“
Der Körper sagt:
„Gefahr.“
Das kann beispielsweise in einem Flugzeug geschehen.
Im Fahrstuhl.
In einem Kaufhaus.
Bei einem Vortrag.
Beim Autofahren.
In sozialen Situationen.
Oder scheinbar ganz ohne erkennbaren Anlass.
Gerade das führt häufig zu Verwirrung.
Betroffene fragen sich:
„Wenn ich doch weiß, dass alles sicher ist – weshalb reagiert mein Körper dann so?“
Weil Wissen und automatische Alarmreaktionen auf unterschiedlichen Ebenen verarbeitet werden.
Eine rationale Einschätzung kann sehr hilfreich sein.
Gleichzeitig kann ein gelerntes Alarmmuster schneller reagieren als die bewusste Bewertung.
Das erklärt, weshalb der Satz „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ häufig wenig verändert.
Der Mensch weiß das möglicherweise längst.
Sein Nervensystem hat diese Information bisher auf einer anderen Ebene gelernt.
Angst besteht aus mehreren Ebenen
Für die therapeutische Arbeit ist es hilfreich, Angst in mehrere miteinander verbundene Bereiche zu betrachten.
1. Körper
Angst kann sich körperlich zeigen durch:
Herzklopfen,
beschleunigte Atmung,
Schwitzen,
Zittern,
Muskelspannung,
Druckgefühl,
Schwindel,
Übelkeit,
Magen-Darm-Reaktionen,
Hitze- oder Kälteempfindungen.
Diese Reaktionen sind real.
Sie entstehen durch physiologische Prozesse.
2. Gedanken und Bewertungen
Der Körper reagiert auf das, was das Gehirn als bedeutsam oder gefährlich einordnet.
Gedanken können deshalb Angst verstärken.
Zum Beispiel:
„Was, wenn ich ohnmächtig werde?“
„Was, wenn ich die Kontrolle verliere?“
„Was, wenn alle sehen, wie nervös ich bin?“
„Was, wenn ich hier nicht herauskomme?“
Solche Gedanken wirken wiederum auf den Körper.
3. Aufmerksamkeit
Angst verändert Aufmerksamkeit.
Ein Mensch beginnt möglicherweise intensiv nach Gefahren zu suchen.
Bei Gesundheitsängsten richtet sich der Fokus auf Körperempfindungen.
Bei sozialer Angst auf Reaktionen anderer Menschen.
Bei Panik auf Herzschlag, Atmung oder Schwindel.
Dadurch werden genau jene Signale stärker wahrgenommen, die wiederum neue Besorgnis auslösen können.
4. Verhalten
Angst beeinflusst auch Entscheidungen.
Menschen vermeiden bestimmte Orte.
Sie verlassen Situationen frühzeitig.
Sie suchen Rückversicherung.
Sie überprüfen ihren Körper.
Sie halten sich immer in der Nähe eines Ausgangs auf.
Sie nehmen vorsorglich bestimmte Dinge mit.
Solche Strategien können kurzfristig Erleichterung bringen.
Langfristig kann das Nervensystem daraus lernen:
„Gut, dass wir uns geschützt haben. Die Situation war offenbar gefährlich.“
So kann sich Angst stabilisieren.
Der Angstkreislauf
Ein typischer Angstkreislauf kann so aussehen:
Eine Körperempfindung entsteht.
Zum Beispiel Herzklopfen.
Der Gedanke folgt:
„Warum schlägt mein Herz so schnell?“
Dann:
„Vielleicht passiert etwas.“
Die Aufmerksamkeit richtet sich noch stärker auf das Herz.
Die Anspannung steigt.
Der Herzschlag wird deutlicher.
Jetzt scheint die ursprüngliche Befürchtung bestätigt.
„Da stimmt wirklich etwas.“
Der Kreislauf verstärkt sich.
Das bedeutet:
Der Körper beeinflusst Gedanken.
Gedanken beeinflussen den Körper.
Aufmerksamkeit verstärkt beides.
Verhalten kann den Kreislauf zusätzlich stabilisieren.
Genau deshalb greift die Vorstellung von Angst als „reiner Kopfsache“ zu kurz.
Angst kann sehr körperlich erlebt werden
Manche Menschen berichten kaum von bewussten Angstgedanken.
Sie erleben vor allem:
Herzrasen.
Enge.
Atemnot.
Schwindel.
Benommenheit.
innere Unruhe.
Magenbeschwerden.
Sie sagen:
„Ich denke gar nichts Besonderes. Mein Körper macht das einfach.“
Auch das ist gut nachvollziehbar.
Automatische Reaktionen können sehr schnell ablaufen.
Die bewusste gedankliche Ebene muss dabei keineswegs immer im Vordergrund stehen.
Das heißt zugleich:
Therapeutische Arbeit darf mehr umfassen als Gespräche über Gedanken.
Körperwahrnehmung, Lernen, Verhalten, Aufmerksamkeit und Selbstregulation können ebenso bedeutsam sein.
Und was ist mit „Einbildung“?
Das Wort „eingebildet“ führt in diesem Zusammenhang leicht in die Irre.
Wenn eine Person bei Angst Herzklopfen erlebt, dann schlägt das Herz tatsächlich schneller.
Wenn Muskeln sich anspannen, ist diese Spannung real.
Wenn Stressreaktionen den Magen beeinflussen, geschieht auch das körperlich.
Die Ursache liegt dabei möglicherweise weniger in einer aktuellen äußeren Gefahr als in der Verarbeitung des Nervensystems.
Das macht die Reaktion keineswegs weniger real.
Ein Rauchmelder kann Alarm geben, obwohl gerade kein Hausbrand besteht.
Der Alarm ist trotzdem echt.
Die Aufgabe besteht dann darin, das System wieder besser unterscheiden zu lassen:
Wann brauche ich Schutz?
Wann darf ich mich orientieren und wieder zur Ruhe kommen?
Wie entstehen solche Alarmmuster?
Angst kann auf vielen Wegen gelernt werden.
Manchmal geschieht das nach einer konkreten Erfahrung.
Ein Mensch erlebt eine Panikattacke in der U-Bahn.
Beim nächsten Einsteigen erinnert sich der Körper.
Vielleicht steigt bereits am Bahnsteig die Anspannung.
Später reicht möglicherweise schon der Gedanke an die U-Bahn.
In anderen Fällen entwickelt sich Angst schleichend.
Durch wiederholten Stress.
Durch Belastungen.
Durch bestimmte Lernerfahrungen.
Durch ständige Selbstbeobachtung.
Durch Vermeidung.
Durch belastende Beziehungserfahrungen.
Durch eine generell erhöhte Sensibilität des Stresssystems.
Meist ist es wenig hilfreich, nach der einen einzigen Ursache zu suchen.
Wichtiger ist häufig die Frage:
Welche Prozesse halten die Angst heute aufrecht?
Denn dort entstehen konkrete Ansatzpunkte für Veränderung.
Was das Nervensystem lernt, kann es auch neu lernen
Dieser Gedanke ist wichtig.
Angstreaktionen können erlernt und verstärkt werden.
Und das Nervensystem besitzt die Fähigkeit, neue Erfahrungen zu integrieren.
Wenn ein Mensch eine bisher gefürchtete Situation erlebt und dabei neue Erfahrungen sammelt, kann sich die Bewertung verändern.
Zum Beispiel:
„Mein Herz darf schneller schlagen.“
„Ich kann diese Empfindung aushalten.“
„Ich kann in dieser Situation bleiben.“
„Ich habe Handlungsmöglichkeiten.“
„Mein Körper darf sich wieder beruhigen.“
Diese Lernerfahrungen sind häufig therapeutisch wertvoller als der bloße Satz:
„Es kann nichts passieren.“
Denn jetzt entsteht eigenes Erleben.
Deshalb reicht positives Denken häufig kaum aus
Menschen mit Angst hören manchmal:
„Denk einfach positiv.“
Das klingt freundlich.
Und häufig braucht es mehr.
Ein Nervensystem verändert sich durch Erfahrungen.
Gedanken können dabei helfen.
Sie können Orientierung geben.
Sie können Bewertungen verändern.
Sie können Handlungsspielraum schaffen.
Und besonders kraftvoll werden sie, wenn sie mit neuen Erfahrungen verbunden werden.
Zum Beispiel:
Eine Person mit Fahrstuhlangst fährt ein Stockwerk.
Sie bemerkt ihre Anspannung.
Sie bleibt präsent.
Sie erlebt:
„Mein Körper reagiert und ich kann damit umgehen.“
Dann fährt sie irgendwann zwei Stockwerke.
So entsteht Schritt für Schritt neues Lernen.
Welche Rolle spielt Vermeidung?
Vermeidung besitzt eine starke kurzfristige Wirkung.
Eine gefürchtete Situation entfällt.
Die Anspannung sinkt.
Das fühlt sich zunächst hilfreich an.
Genau dadurch kann das Muster besonders stabil werden.
Das Gehirn verbindet die Erleichterung mit der Flucht oder Vermeidung.
Es lernt:
„Weggehen hat mich geschützt.“
Beim nächsten Mal kann der Alarm früher einsetzen.
Deshalb spielt der Umgang mit Vermeidungsverhalten bei vielen Angststörungen eine wichtige Rolle.
Das bedeutet keineswegs, sich kopflos in maximale Angst zu stürzen.
Therapeutisch sinnvoll sind angemessene, gut vorbereitete Schritte, die neue Erfahrungen ermöglichen.
Die S3-Leitlinie zu Angststörungen berücksichtigt entsprechend störungsspezifische psychotherapeutische Verfahren und verhaltensorientierte Ansätze.
Ist Angst also körperlich oder psychisch?
Diese Trennung ist künstlicher, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Der Mensch besteht aus einem zusammenhängenden System.
Gedanken beeinflussen körperliche Prozesse.
Körperzustände beeinflussen Denken.
Erfahrungen verändern Erwartungen.
Aufmerksamkeit verändert Wahrnehmung.
Verhalten verändert Lernerfahrungen.
Beziehungen wirken auf Sicherheit und Stress.
Darum lautet die hilfreichere Frage:
Wie greifen Körper, Denken, Nervensystem und Verhalten bei meiner Angst ineinander?
Diese Frage führt eher zu Lösungen.
Warum körperliche Symptome trotzdem ärztlich abgeklärt gehören
Angst kann viele körperliche Symptome auslösen.
Gleichzeitig können körperliche Erkrankungen ähnliche Beschwerden verursachen.
Deshalb ist eine angemessene medizinische Abklärung wichtig, insbesondere wenn Symptome neu auftreten, sich deutlich verändern oder körperliche Ursachen bisher ungeklärt sind.
Beispielsweise können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Stoffwechselveränderungen, Medikamente oder andere medizinische Faktoren Symptome hervorrufen, die sich wie Angst anfühlen.
Auch gesund.bund.de weist darauf hin, dass bestimmte körperliche Beschwerden bei Angststörungen auftreten und zugleich andere medizinische Ursachen haben können.
Eine gute psychotherapeutische Arbeit ersetzt deshalb keine notwendige medizinische Diagnostik.
Beide Perspektiven können sich sinnvoll ergänzen.
Wenn Angst vor der Angst entsteht
Ein besonders wichtiger Mechanismus ist die sogenannte Angst vor der Angst.
Eine Person hatte beispielsweise einmal starkes Herzrasen und Schwindel.
Jetzt beginnt sie, genau diese Empfindungen zu fürchten.
Jede kleine Veränderung des Körpers wird beobachtet.
„Geht es wieder los?“
Dadurch steigt die Anspannung.
Der Körper reagiert stärker.
Die Befürchtung scheint bestätigt.
So kann ein Kreislauf entstehen, bei dem weniger die ursprüngliche Situation als vielmehr die eigene Angstreaktion gefürchtet wird.
Ein wichtiges therapeutisches Ziel besteht dann darin, Körperempfindungen wieder anders einzuordnen und Vertrauen in die eigene Regulationsfähigkeit aufzubauen.
Selbstwirksamkeit statt Kampf gegen die Angst
Viele Betroffene führen innerlich einen dauernden Kampf.
„Die Angst muss weg.“
„Ich darf das nicht spüren.“
„Ich muss mich sofort beruhigen.“
Damit bekommt jede Angstempfindung große Bedeutung.
Ein hilfreicherer therapeutischer Schwerpunkt kann darin bestehen, Selbstwirksamkeit aufzubauen.
Also die Erfahrung:
Ich kann Angst wahrnehmen und trotzdem handeln.
Ich kann mich orientieren.
Ich kann meinen Körper verstehen.
Ich kann Entscheidungen treffen.
Ich kann neue Erfahrungen machen.
Ich kann Einfluss darauf nehmen, wie ich mit Angst umgehe.
Das verändert die Beziehung zur Angst.
Was hilft bei Angststörungen?
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von Art und Ausprägung der Angst ab.
Bei Angststörungen gehören evidenzbasierte psychotherapeutische Verfahren zu den zentralen Behandlungsmöglichkeiten. Je nach Störungsbild können unter anderem kognitive und verhaltensorientierte Verfahren, Exposition, Arbeit mit Bewertungen und Aufmerksamkeit sowie weitere therapeutische Elemente eine Rolle spielen. Medikamente können je nach individueller Situation ebenfalls eingesetzt werden.
Entscheidend ist eine sorgfältige Diagnostik.
Eine Panikstörung braucht möglicherweise einen anderen Schwerpunkt als eine spezifische Phobie.
Eine soziale Angst wiederum andere therapeutische Schritte als eine generalisierte Angststörung.
Deshalb lohnt sich Individualisierung.
Welche Rolle kann Hypnotherapie spielen?
In meiner therapeutischen Arbeit verbinde ich Hypnotherapie mit weiteren psychotherapeutischen Elementen.
Hypnotherapeutische Verfahren können dabei helfen, Aufmerksamkeit gezielt zu lenken, innere Erfahrungen zugänglich zu machen, Ressourcen zu aktivieren und körperliche sowie emotionale Reaktionen bewusster wahrzunehmen.
Für mich steht dabei weniger die Frage im Vordergrund:
„Wie bekomme ich dieses Symptom möglichst schnell weg?“
Hilfreicher ist:
„Was braucht dieser Mensch, damit sein System wieder mehr Sicherheit, Selbstwirksamkeit und Wahlmöglichkeiten entwickelt?“
Hypnose ersetzt dabei keine sorgfältige Diagnostik und auch keine störungsspezifisch sinnvollen therapeutischen Schritte.
Sie kann ein Bestandteil eines integrativen Vorgehens sein.
Hypnobalancing™ und die Arbeit mit Angst
Hypnobalancing™ nutze ich als Bestandteil meiner therapeutischen Arbeit, um Selbstregulation, Körperwahrnehmung und innere Orientierung zu fördern.
Dabei können beispielsweise folgende Bereiche eine Rolle spielen:
körperliche Anspannung früher wahrnehmen,
innere Zustände bewusst beeinflussen,
Aufmerksamkeit flexibler lenken,
Ruhe und Sicherheit zugänglicher machen,
Selbstwirksamkeit stärken,
hilfreiche innere Erfahrungen vertiefen.
Entscheidend bleibt immer der individuelle Mensch.
Eine Methode dient dem Prozess.
Der Mensch dient keiner Methode.
Was Sie selbst beobachten können
Wenn Sie Ihre Angst besser verstehen möchten, können einige Fragen hilfreich sein:
Wann beginnt mein Alarmsystem besonders schnell zu reagieren?
Welche Körperempfindungen nehme ich zuerst wahr?
Welche Gedanken folgen darauf?
Worauf richtet sich meine Aufmerksamkeit?
Was tue ich anschließend?
Was vermeide ich?
Was beruhigt mich kurzfristig?
Welche dieser Strategien geben meinem Nervensystem langfristig möglicherweise die Botschaft, dass Gefahr besteht?
Und besonders wichtig:
Welche kleine neue Erfahrung könnte meinem Nervensystem heute mehr Sicherheit vermitteln?
Diese Fragen ersetzen keine therapeutische Diagnostik.
Sie können jedoch helfen, das eigene Muster klarer zu erkennen.
Angst ist real – und veränderbar
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieser Seite.
Angst ist real.
Auch dann, wenn gerade keine äußere Gefahr besteht.
Auch dann, wenn andere Menschen die Reaktion kaum nachvollziehen können.
Auch dann, wenn Sie selbst rational wissen, dass die Situation sicher ist.
Das bedeutet zugleich:
Automatische Reaktionen sind kein unveränderliches Schicksal.
Unser Nervensystem kann lernen.
Unser Umgang mit Gedanken kann sich verändern.
Aufmerksamkeit lässt sich trainieren.
Vermeidungsverhalten kann schrittweise reduziert werden.
Selbstwirksamkeit kann wachsen.
Und neue Erfahrungen können alte Alarmmuster zunehmend relativieren.
Fazit: Angst ist weit mehr als Kopfsache
Angst entsteht aus dem Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem, Körper, Gedanken, Aufmerksamkeit, Lernerfahrungen und Verhalten.
Deshalb hilft es wenig, Betroffenen zu sagen:
„Das ist doch nur in deinem Kopf.“
Hilfreicher ist die Frage:
Was bringt dieses Alarmsystem dazu, gerade Gefahr zu melden – und welche neuen Erfahrungen helfen ihm, wieder besser zwischen Gefahr und Sicherheit zu unterscheiden?
Genau dort beginnt therapeutische Veränderung.
Nicht im Kampf gegen den eigenen Körper.
Sondern im besseren Verstehen und im Aufbau neuer Erfahrungen.
Psychotherapie bei Ängsten und Angststörungen in Berlin und online
Ich bin Karsten Noack.
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen mit Ängsten, Angststörungen und Traumafolgen.
In meiner Praxis in Berlin-Charlottenburg und online verbinde ich psychotherapeutische Arbeit mit Hypnotherapie und Elementen des Hypnobalancing™.
Im Mittelpunkt stehen ein fundiertes Verständnis des individuellen Musters, Selbstregulation, hilfreiche Lernerfahrungen und die Entwicklung von mehr Selbstwirksamkeit.
Wenn Sie klären möchten, ob mein therapeutisches Angebot zu Ihrem Anliegen passt, können Sie mir über das Kontaktformular kurz schildern, worum es geht.
Dann lässt sich gemeinsam einschätzen, welcher nächste Schritt sinnvoll ist.
Fragen Sie mich gerne persönlich
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Häufige Fragen zu Ängsten und Angststörungen
Angst kann verwirrend sein.
Manchmal versteht der Verstand längst, dass eine Situation sicher ist.
Und trotzdem reagiert der Körper.
Das Herz schlägt schneller.
Die Gedanken kreisen.
Der Impuls entsteht, eine Situation zu verlassen oder künftig zu vermeiden.
Viele Menschen fragen sich dann:
„Was passiert da mit mir?“
„Ist das gefährlich?“
„Kann sich das wieder verändern?“
„Was hilft wirklich?“
Auf dieser Seite beantworte ich häufige Fragen zu Ängsten und Angststörungen.
Die Antworten dienen der Orientierung.
Eine individuelle therapeutische Einschätzung entsteht immer aus der persönlichen Situation.
Ist Angst grundsätzlich etwas Schlechtes?
Angst gehört zu unserem natürlichen Schutzsystem.
Sie hilft uns, Gefahren wahrzunehmen, Aufmerksamkeit zu bündeln und schnell zu reagieren.
Ohne Angst wären wir deutlich schlechter geschützt.
Problematisch wird Angst vor allem dann, wenn das Alarmsystem sehr empfindlich reagiert.
Dann entsteht starke Angst auch in Situationen, die objektiv vergleichsweise sicher sind.
Oder die Angst bleibt lange aktiv, obwohl die ursprüngliche Belastung bereits vorbei ist.
Therapeutisch geht es deshalb selten darum, Angst vollständig abzuschaffen.
Es geht darum, dass das Alarmsystem wieder angemessener reagiert und Sie mehr Freiheit im Umgang damit gewinnen.
Ist Angst gefährlich?
Angst kann sich ausgesprochen intensiv anfühlen.
Herzrasen.
Zittern.
Schwindel.
Atemveränderungen.
Engegefühl.
Hitze.
Übelkeit.
Ein Gefühl von Kontrollverlust.
Diese Reaktionen können erschreckend wirken.
Bei einer Angstreaktion aktiviert der Körper Schutzmechanismen, die auf schnelles Handeln vorbereiten.
Die Symptome selbst sind dabei häufig Ausdruck dieser Aktivierung.
Körperliche Beschwerden verdienen zugleich eine angemessene medizinische Abklärung, besonders wenn sie neu auftreten, sich verändern oder bisher ungeklärt sind.
Nach einer solchen Abklärung kann es sehr entlastend sein zu verstehen:
Ein starkes Alarmsignal bedeutet nicht automatisch eine starke äußere Gefahr.
Kann man vor Angst ohnmächtig werden?
Viele Menschen mit Panik oder starker Angst fürchten eine Ohnmacht.
Bei typischen Angst- und Panikreaktionen steigt die körperliche Aktivierung häufig zunächst an.
Ohnmachten sind deshalb bei klassischen Panikreaktionen eher ungewöhnlich.
Eine Ausnahme können bestimmte Reaktionsmuster sein, etwa bei Blut-, Verletzungs- oder Spritzenphobien. Dort kann es zu einem deutlichen Blutdruckabfall kommen.
Wenn Sie Ohnmachtsanfälle erleben, gehört die Ursache medizinisch abgeklärt.
Ist ein Leben ohne Angst möglich?
Ein vollkommen angstfreies Leben wäre weder realistisch noch wünschenswert.
Angst schützt.
Das therapeutische Ziel lautet eher:
Angst darf wieder die passende Größe bekommen.
Sie darf auftauchen, wenn sie gebraucht wird.
Und sie darf wieder abklingen.
Menschen können lernen, Angst wahrzunehmen und gleichzeitig handlungsfähig zu bleiben.
Genau daraus entsteht Freiheit.
Ist Angst angeboren oder erlernt?
Beides spielt eine Rolle.
Menschen unterscheiden sich in ihrer biologischen Sensibilität.
Auch Temperament und Stressreaktivität können verschieden ausgeprägt sein.
Gleichzeitig lernt unser Nervensystem aus Erfahrungen.
Ein konkretes belastendes Erlebnis kann Angst prägen.
Auch wiederholter Stress, Beobachtungslernen, Beziehungserfahrungen oder Vermeidung können eine Rolle spielen.
Deshalb ist die sinnvollere Frage häufig:
Wie ist mein persönliches Angstmuster entstanden – und was hält es heute aufrecht?
Wie entsteht eine Angststörung?
Angststörungen entstehen meist aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Dazu können gehören:
biologische Empfindlichkeit,
belastende Erfahrungen,
lang anhaltender Stress,
bestimmte Bewertungen,
starke Selbstbeobachtung,
Lernerfahrungen,
Vermeidungsverhalten,
Sicherheitsstrategien,
körperliche Sensibilität
und psychosoziale Belastungen.
Das bedeutet gleichzeitig:
Es gibt mehrere Ansatzpunkte für Veränderung.
Ist Angst reine Kopfsache?
Angst ist weit mehr als Denken.
Sie umfasst Körper, Gehirn, Nervensystem, Aufmerksamkeit, Verhalten und Lernerfahrungen.
Der Verstand kann durchaus wissen:
„Ich bin sicher.“
Und der Körper reagiert gleichzeitig:
„Gefahr.“
Genau deshalb reicht der Satz „Denk einfach anders“ häufig kaum aus.
Therapeutische Veränderung entsteht besonders wirksam, wenn Denken, Körperreaktionen, Verhalten und neue Erfahrungen zusammenkommen.
Mehr dazu:
Ist Angst reine Kopfsache?
Warum reagiert mein Körper, obwohl ich weiß, dass ich sicher bin?
Automatische Alarmreaktionen können schneller ablaufen als bewusste Bewertungen.
Das Nervensystem arbeitet stark mit Mustern und Erfahrungen.
Wenn eine Situation früher mit Gefahr, Überforderung oder Kontrollverlust verbunden wurde, kann der Körper bereits reagieren, bevor der bewusste Verstand die Lage vollständig eingeordnet hat.
Das erklärt einen häufigen Satz meiner Patientinnen und Patienten:
„Ich weiß, dass nichts passiert. Mein Körper glaubt mir bloß noch nicht.“
Therapeutisch geht es deshalb um neue Erfahrungen.
Der Körper darf zunehmend erleben:
Diese Situation kann ich bewältigen.
Was bedeutet Angst vor der Angst?
Nach einer intensiven Angst- oder Panikerfahrung kann die Angst vor einer Wiederholung entstehen.
Dann richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf mögliche erste Anzeichen:
„Ist mir gerade schwindelig?“
„Schlägt mein Herz schneller?“
„Beginnt es wieder?“
Diese intensive Beobachtung erhöht häufig die Anspannung.
Körperempfindungen werden stärker wahrgenommen.
Und genau das kann erneut Angst auslösen.
So entsteht ein Kreislauf.
Ein wichtiger therapeutischer Schritt besteht darin, Körperempfindungen wieder angemessener einzuordnen und die eigene Selbstwirksamkeit zu stärken.
Was ist eine Panikattacke?
Eine Panikattacke ist eine Phase sehr intensiver Angst, die häufig rasch ansteigt.
Typische Symptome können sein:
Herzklopfen,
Atemveränderungen,
Schwindel,
Zittern,
Schwitzen,
Enge,
Übelkeit,
Derealisation,
Angst vor Kontrollverlust
oder die Befürchtung, etwas Schlimmes könne geschehen.
Gerade die Intensität führt häufig dazu, dass Menschen beginnen, die Panik selbst zu fürchten.
Dann wird aus einer einzelnen Erfahrung möglicherweise ein größerer Angstkreislauf.
Warum fühlt sich Angst manchmal an, als würde ich sterben?
Starke Angst aktiviert das Schutzsystem des Körpers.
Viele der entstehenden Empfindungen werden normalerweise mit Gefahr verbunden.
Wenn Herz, Atmung und Wahrnehmung sich plötzlich stark verändern, kann das Gehirn daraus schließen:
„Hier geschieht etwas Ernstes.“
Dadurch verstärkt sich die Alarmreaktion.
Bei medizinisch ungeklärten Beschwerden steht zunächst eine ärztliche Abklärung im Vordergrund.
Ist die körperliche Situation geklärt, hilft vielen Menschen ein besseres Verständnis ihrer Angstreaktionen.
Welche Rolle spielt Adrenalin bei Angst?
Adrenalin gehört zu den Botenstoffen, die bei einer Stress- und Alarmreaktion eine wichtige Rolle spielen.
Der Körper stellt Energie bereit.
Herz und Kreislauf passen sich an.
Die Aufmerksamkeit wird fokussierter.
Muskeln werden für Handlung vorbereitet.
Das kann sich sehr intensiv anfühlen.
Diese Aktivierung besitzt einen Sinn:
Der Organismus bereitet sich auf Schutz und Handlung vor.
Warum verändert Angst die Atmung?
Unter Stress verändert sich häufig die Atmung.
Sie kann schneller oder flacher werden.
Manche Menschen beginnen stärker zu atmen, als der Körper aktuell benötigt.
Dadurch können Empfindungen wie Kribbeln, Benommenheit oder Schwindel entstehen.
Diese Empfindungen werden wiederum möglicherweise als Gefahr bewertet.
So kann sich ein Kreislauf verstärken.
Eine ruhige, natürliche Atmung und ein hilfreicher Umgang mit Körperempfindungen können deshalb Bestandteil therapeutischer Arbeit sein.
Welche Rolle spielt die Amygdala?
Die Amygdala ist Teil eines komplexen Netzwerks im Gehirn, das an der Verarbeitung emotional bedeutsamer Reize beteiligt ist.
Sie wird häufig als „Angstzentrum“ bezeichnet.
Diese Vereinfachung greift jedoch zu kurz.
Angst entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen, Körpersysteme, Gedächtnisprozesse und Bewertungen.
Für Betroffene ist vor allem eine Erkenntnis wichtig:
Das Gehirn kann Gefahrenreaktionen lernen.
Und es kann durch neue Erfahrungen ebenfalls umlernen.
Warum bekomme ich plötzlich Angst ohne erkennbaren Grund?
Manchmal erscheint Angst wie aus dem Nichts.
Das bedeutet keineswegs, dass keinerlei Auslöser vorhanden war.
Möglicherweise wurde ein subtiler körperlicher Reiz wahrgenommen.
Ein Gedanke.
Eine Erinnerung.
Ein Geruch.
Ein bestimmter Ort.
Erschöpfung.
Stress.
Koffein.
Eine Körperempfindung.
Oder eine unbewusste Verbindung zu früheren Erfahrungen.
Therapeutisch muss deshalb keineswegs immer der eine große Auslöser gefunden werden.
Oft ist wichtiger, den gegenwärtigen Kreislauf zu verstehen.
Welche Rolle spielt Stress bei Angststörungen?
Anhaltender Stress kann das gesamte System empfindlicher machen.
Wenn der Organismus über längere Zeit stark beansprucht ist, sinkt häufig die Schwelle für Alarmreaktionen.
Menschen erleben dann beispielsweise:
mehr innere Unruhe,
stärkere Reizbarkeit,
schlechteren Schlaf,
intensivere Körperreaktionen
oder schnellere Überforderung.
Stressreduktion allein löst eine ausgeprägte Angststörung selten vollständig.
Sie kann jedoch einen wichtigen Teil der therapeutischen Arbeit bilden.
Können Sorgen Angst verstärken?
Sorgen sind zunächst ein Versuch, Probleme gedanklich vorzubereiten.
Bei übermäßigem Sorgen entsteht jedoch leicht eine dauerhafte Beschäftigung mit möglichen Gefahren.
Das Gehirn erhält immer wieder dieselbe Botschaft:
„Da könnte etwas passieren.“
Dadurch kann das Alarmsystem aktiv bleiben.
Besonders bei einer generalisierten Angststörung spielen schwer steuerbare Sorgen eine zentrale Rolle.
Welche Rolle spielt Perfektionismus?
Perfektionismus kann Ängste verstärken, wenn Sicherheit an unrealistisch hohe Bedingungen geknüpft wird.
Zum Beispiel:
„Ich darf keinen Fehler machen.“
„Ich muss sicher wissen, was passieren wird.“
„Ich muss vollständig vorbereitet sein.“
„Ich darf keinerlei Unsicherheit zeigen.“
Das Problem liegt weniger in hohen Ansprüchen als in der Bedeutung, die Abweichungen bekommen.
Therapeutisch kann es hilfreich sein, mehr Flexibilität und einen realistischeren Umgang mit Unsicherheit zu entwickeln.
Warum verstärkt Kontrollieren manchmal Angst?
Kontrollieren kann kurzfristig beruhigen.
Noch einmal die Tür prüfen.
Noch einmal den Körper überprüfen.
Noch einmal nach Symptomen suchen.
Noch einmal jemanden um Bestätigung bitten.
Die Erleichterung wirkt angenehm.
Und genau darin liegt ein möglicher Lernmechanismus.
Das Gehirn kann daraus schließen:
„Gut, dass wir kontrolliert haben. Offenbar war Kontrolle notwendig.“
Dadurch wächst beim nächsten Mal der Impuls, erneut zu prüfen.
Was ist Sicherheitsverhalten?
Sicherheitsverhalten sind Strategien, die helfen sollen, eine gefürchtete Situation auszuhalten oder eine vermutete Gefahr zu verhindern.
Beispiele:
immer in der Nähe eines Ausgangs sitzen,
nur mit Begleitung fahren,
ständig Wasser mitnehmen,
den eigenen Puls überprüfen,
eine bestimmte Person jederzeit erreichbar halten,
Fluchtwege planen.
Viele dieser Verhaltensweisen wirken zunächst vernünftig.
Entscheidend ist ihre Funktion.
Wenn das Nervensystem lernt:
„Ohne diese Strategie bin ich in Gefahr“,
kann Sicherheitsverhalten die Angst langfristig stabilisieren.
Warum kann Vermeidung Angst verstärken?
Vermeidung wirkt kurzfristig hervorragend.
Die gefürchtete Situation entfällt.
Die Anspannung sinkt.
Das Gehirn kann daraus lernen:
„Weggehen hat mich geschützt.“
Dadurch bekommt die Situation beim nächsten Mal noch mehr Bedeutung.
Der Lebensradius kann sich zunehmend verkleinern.
Therapeutisches Lernen setzt deshalb häufig darauf, angemessene neue Erfahrungen zu ermöglichen.
Schritt für Schritt.
Muss ich mich meiner Angst stellen?
Bei vielen Angststörungen gehören neue Erfahrungen mit gefürchteten Situationen oder Körperempfindungen zu einer wirksamen Behandlung.
Dabei geht es um mehr als bloßes Aushalten.
Es geht um Lernen.
Zum Beispiel:
„Ich kann hier bleiben.“
„Ich kann diese Empfindung erleben.“
„Ich habe Handlungsmöglichkeiten.“
„Meine Befürchtung tritt anders ein als erwartet.“
Solche Erfahrungen verändern Angst häufig nachhaltiger als reine Beruhigung.
Ist Ablenkung bei Angst hilfreich?
Ablenkung kann kurzfristig entlasten.
Sie kann in bestimmten Situationen durchaus sinnvoll sein.
Wird Ablenkung jedoch zur zwingenden Voraussetzung, kann daraus eine Sicherheitsstrategie entstehen.
Dann lautet die innere Botschaft:
„Ich kann Angst nur bewältigen, solange ich sie nicht wahrnehme.“
Therapeutisch ist häufig hilfreicher, Flexibilität zu entwickeln.
Manchmal Aufmerksamkeit bewusst umlenken.
Manchmal Körperempfindungen wahrnehmen.
Manchmal in der Situation bleiben.
Und dabei zunehmend erleben:
Ich kann damit umgehen.
Hilft Bewegung bei Angst?
Regelmäßige körperliche Bewegung kann psychisches Wohlbefinden, Schlaf, Stressregulation und körperliches Vertrauen unterstützen.
Sie ist deshalb häufig ein wertvoller Baustein.
Bei einer ausgeprägten Angststörung ersetzt Bewegung eine gezielte Behandlung kaum.
Sie kann sie sinnvoll ergänzen.
Besonders interessant ist Bewegung für Menschen, die körperliche Aktivierung selbst fürchten.
Denn der Körper darf dabei erleben:
Ein schnellerer Herzschlag, Wärme und stärkere Atmung können auch Ausdruck gesunder Aktivität sein.
Können Angststörungen Beziehungen belasten?
Ja.
Angst betrifft häufig auch das soziale Umfeld.
Partnerinnen, Partner oder Angehörige übernehmen möglicherweise immer mehr Aufgaben.
Gemeinsame Aktivitäten werden eingeschränkt.
Rückversicherung nimmt viel Raum ein.
Oder beide Menschen beginnen, ihr Leben zunehmend um die Angst herum zu organisieren.
Gleichzeitig können Beziehungen eine enorme Ressource darstellen.
Ein hilfreicher Umgang unterstützt den Menschen, ohne die Angststruktur dauerhaft zu verstärken.
Wie können Angehörige helfen?
Hilfreich sind häufig:
Ruhe,
Interesse,
Respekt,
Geduld
und Vertrauen in die Fähigkeiten der betroffenen Person.
Weniger hilfreich kann es sein, jede gefürchtete Situation dauerhaft zu vermeiden oder ständig neue Rückversicherung zu geben.
Eine hilfreiche Haltung lautet:
„Ich bin bei dir. Und ich traue dir zu, dass du zunehmend wieder eigene Schritte gehen kannst.“
Können Angststörungen mit zunehmendem Alter verschwinden?
Angststörungen entwickeln sich individuell.
Manche Beschwerden verändern sich über die Lebensspanne.
Andere bleiben bestehen oder wandeln ihre Form.
Entscheidend ist weniger das Alter allein als das Zusammenspiel aus Lernerfahrungen, Belastungen, Gesundheit, Lebenssituation und Umgang mit der Angst.
Auch langjährig bestehende Muster können sich verändern.
Kann Ernährung Angst beeinflussen?
Körperliche Faktoren können das Erleben von Angst beeinflussen.
Beispielsweise reagieren manche Menschen empfindlich auf größere Mengen Koffein.
Auch Schlafmangel, Alkohol, starke Schwankungen der Energieversorgung oder gesundheitliche Faktoren können körperliche Aktivierung verändern.
Eine ausgewogene Lebensweise kann deshalb unterstützend wirken.
Eine Angststörung lässt sich gleichzeitig kaum auf ein einzelnes Lebensmittel reduzieren.
Kann helles Licht Angst verstärken?
Licht beeinflusst unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und zahlreiche biologische Prozesse.
Bei manchen Menschen können sehr intensive Umweltreize, Schlafmangel oder sensorische Überforderung das allgemeine Aktivierungsniveau erhöhen.
Eine direkte pauschale Aussage „helles Licht verursacht Angststörungen“ wäre wissenschaftlich zu weitgehend.
Entscheidend ist die individuelle Reaktion und der Gesamtkontext.
Warum wird meine Angst morgens manchmal stärker erlebt?
Bei manchen Menschen verändert sich die Angst über den Tagesverlauf.
Dafür können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen:
Schlafqualität,
Stresshormone,
Erwartungen an den kommenden Tag,
körperliche Aktivierung,
Blutzucker,
Gedanken unmittelbar nach dem Aufwachen
oder aktuelle Belastungen.
Auch hier lohnt sich ein individueller Blick auf wiederkehrende Muster.
Kann Angst vollständig geheilt werden?
Menschen fragen häufig nach Heilung.
Ich formuliere das therapeutische Ziel lieber konkreter.
Kann jemand wieder Bahn fahren?
Wieder reisen?
Wieder vor Menschen sprechen?
Wieder allein sein?
Wieder körperlichen Empfindungen vertrauen?
Wieder Entscheidungen treffen?
Wieder einen größeren Lebensradius erleben?
Solche Veränderungen sind sehr konkrete Zeichen therapeutischer Entwicklung.
Das Ziel besteht darin, dass Angst das Leben zunehmend weniger bestimmt.
Wann ist ein guter Zeitpunkt für Therapie?
Ein guter Zeitpunkt ist spätestens dann erreicht, wenn Angst beginnt, Entscheidungen oder Lebensqualität deutlich einzuschränken.
Zum Beispiel wenn Sie:
Situationen zunehmend vermeiden,
häufig unter starker Angst oder Panik leiden,
viel Zeit mit Sorgen verbringen,
ständig Ihren Körper kontrollieren,
immer mehr Sicherheitsstrategien brauchen,
berufliche oder private Aktivitäten einschränken
oder merken, dass sich Ihr Leben zunehmend um die Angst dreht.
Frühe Unterstützung kann helfen, bevor sich Vermeidung und Angstkreisläufe stärker verfestigen.
Welche Therapie hilft bei Angststörungen?
Welche Behandlung geeignet ist, hängt von der jeweiligen Angststörung und der individuellen Situation ab.
Bei vielen Angststörungen gehören kognitive und verhaltensorientierte Verfahren sowie gezielte Konfrontation beziehungsweise Exposition zu den wissenschaftlich besonders gut untersuchten psychotherapeutischen Ansätzen.
Weitere Verfahren können passend zur Situation ergänzend eingesetzt werden.
In meiner Praxis arbeite ich integrativ und beziehe unter anderem hypnotherapeutische Elemente und Hypnobalancing™ ein.
Die Methode folgt dabei dem therapeutischen Ziel.
Hilft Hypnose bei Angst?
Hypnotherapeutische Verfahren können in einer psychotherapeutischen Behandlung verschiedene Funktionen übernehmen.
Zum Beispiel:
Aufmerksamkeit gezielt lenken,
Körperwahrnehmung verändern,
Ressourcen zugänglicher machen,
Selbstregulation unterstützen,
innere Erfahrungen vertiefen
und hilfreiche Vorstellungen nutzen.
Bei einer Angststörung ersetzt Hypnose dabei keine sorgfältige Diagnostik und keine therapeutisch sinnvollen Lernerfahrungen.
Sie kann Bestandteil eines integrativen Behandlungsplans sein.
Wie lange dauert eine Therapie bei Angst?
Das lässt sich seriös kaum pauschal beantworten.
Eine klar umrissene spezifische Phobie unterscheidet sich deutlich von einer komplexen Situation mit mehreren Angstbereichen, langjährigem Vermeidungsverhalten oder zusätzlichen Traumafolgen.
Deshalb arbeite ich ohne vorab festgelegtes Erfolgsversprechen oder starre Sitzungszahl.
Wir betrachten gemeinsam:
Was verändert sich?
Was braucht mehr Aufmerksamkeit?
Welche nächsten Schritte sind sinnvoll?
Was kann ich selbst gegen Angst tun?
Ein hilfreicher Anfang besteht darin, das eigene Muster kennenzulernen.
Beobachten Sie beispielsweise:
Was löst meine Angst aus?
Welche Körperempfindung bemerke ich zuerst?
Welche Bedeutung gebe ich ihr?
Wohin richtet sich meine Aufmerksamkeit?
Was tue ich anschließend?
Was vermeide ich?
Welche Sicherheitsstrategien nutze ich?
Und dann die entscheidende Frage:
Welcher kleine Schritt würde meinem Nervensystem heute eine neue Erfahrung ermöglichen?
Therapeutische Veränderung entsteht häufig aus vielen solchen Erfahrungen.
Wann sollte Angst medizinisch abgeklärt werden?
Körperliche Symptome verdienen eine angemessene medizinische Abklärung.
Besonders dann, wenn Beschwerden:
neu auftreten,
ungewöhnlich stark sind,
sich deutlich verändern,
mit Bewusstlosigkeit oder anderen auffälligen Symptomen verbunden sind
oder bisher medizinisch ungeklärt bleiben.
Körperliche und psychische Perspektiven ergänzen sich.
Eine seriöse psychotherapeutische Arbeit berücksichtigt beides.
Wann braucht es schnelle Hilfe?
Bei akuten psychischen Krisen, konkreter Suizidgefahr, psychotischen Symptomen oder dringenden medizinischen Notfällen ist eine sofortige psychiatrische beziehungsweise ärztliche Versorgung erforderlich.
In Deutschland erreichen Sie den Rettungsdienst über 112.
Meine Praxis bietet keine psychiatrische Akut- oder Notfallversorgung.
Was ist der wichtigste Gedanke im Umgang mit Angst?
Vielleicht dieser:
Angst ist ein Alarmsignal. Sie ist kein Befehl.
Ihr Körper darf Angst melden.
Und Sie können zunehmend lernen, genauer zu prüfen:
Was geschieht gerade wirklich?
Was brauche ich?
Welche Möglichkeiten habe ich?
Welcher nächste Schritt entspricht meinem Leben?
Genau daraus wächst Selbstwirksamkeit.
Psychotherapie bei Ängsten und Angststörungen
Ich bin Karsten Noack.
Seit 1998 begleite ich Menschen therapeutisch bei Ängsten, Angststörungen und Traumafolgen – in Berlin-Charlottenburg und online.
Meine Arbeit verbindet psychotherapeutische Verfahren mit hypnotherapeutischen Elementen und Hypnobalancing™.
Dabei geht es mir um mehr als kurzfristige Beruhigung.
Menschen sollen ihr eigenes Alarmsystem besser verstehen, wieder mehr Vertrauen in sich und ihren Körper entwickeln und zunehmend den Lebensraum zurückgewinnen, den Angst eingeschränkt hat.
Wenn Sie überlegen, therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, können Sie sich auf der Seite Ablauf & Honorar über die Rahmenbedingungen informieren.
Die allgemeine Seite Häufige Fragen zur Psychotherapie beantwortet zusätzlich Fragen zur ersten Sitzung, Hypnose, Online-Terminen und zum organisatorischen Ablauf.
Erstveröffentlichung: 11. Februar 2002
Letzte Überarbeitung: 01. Juni 2026
Englische Version: