Trancetiefe und ihre Rolle in der Hypnosetherapie

Wissenswertes zu Hypnosetherapie und Hypnobalancing™
Praxis für Hypnotherapie in Berlin - Spezialisierung auf Ängste und Angststörungen

Bedeutung der Trancetiefe

 

Als Trancetiefe wird in der Hypnotherapie der Grad der Suggestibilität, also der Aufnahmefähigkeit bzw. Aufnahmebereitschaft für Angebote verstanden. Welche Rolle spielt die Trancetiefe in der Hypnotherapie, wie dem Hypnobalancing™.

Trancetiefe

 

Es gibt sehr unterschiedliche Sichtweisen hinsichtlich der Tiefe von Trance und der daraus resultierenden Schlussfolgerungen. Im Grunde gibt es so etwas wie „Tiefe“ in diesem Zusammenhang nur in übertragenem Sinne. Als Tiefe wird hier der Grad der Suggestibilität, also der Aufnahmefähigkeit bzw. Aufnahmebereitschaft für Angebote verstanden, die mit Abnehmen des sogenannten „Kritischen Faktors“ zunimmt. Auch wenn entsprechende Mythen hierzu existieren; gegen die eigenen Werte und Überzeugungen deutlich verstoßende Suggestionen werden weiterhin (bzw. gerade dann!) zurückgewiesen.

Anhänger der indirekten Hypnosemethoden, wie sie von Milton H. Erickson vertreten wurden, bezweifeln oft die Rolle dieser Zustände. Mit indirekten Methoden wird dieser Zustand nur bedingt erreicht. Dabei zeigen die Erfahrungen, das dies oftmals entweder nicht notwendig ist und es oft sogar förderlicher ist, wenn das Bewusste in irgendeiner hilfreichen Form teilnimmt.

Es existieren durchaus einige therapeutische Themen bei denen erst Somnambulismus gegenüber „flacheren“ Trancezuständen (als Synonym für Suggestibilität) wirkungsvolle Veränderungen wahrscheinlich werden lässt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es unterschiedliche Strategien und somit auch unterschiedliche Zustände und Rahmen gibt, die aufeinander abgestimmt werden.

 

 

 

Häufige Einteilung der Trancetiefen

 

Die Trancetiefe kann durch verschiedene Tests zugeordnet werden. Es existieren verschiedene Tiefenskalen mit verschiedenen Abstufungen, von einer leichten Unterteilung in drei Tiefen bis hin zu einer Skala mit 50 Ebenen. Im therapeutischen Kontext wird auf eine Tiefenfeststellung meist verzichtet, weil viele Hypnotherapeuten davon ausgehen, dass der Behandlungserfolg nicht in Beziehung zur Trancetiefe steht. Dies ist vielfach richtig, allerdings gibt es Situationen und Techniken die bestimmte Trancetiefen erfordern, um effektiv zu sein.

Welche Phänomene auftreten können, ist von der Hypnosetiefe und vom Hypnotisand selbst abhängig. In der Praxis werden die folgenden Hypnosetiefen als Einteilung verwendet:

  • Leichte Trance – Somnolenz
  • Mittlere Trance – Hypotaxie
  • Tiefe Trance – Somnambulanz
  • Sehr tiefe Trance – Esdaile-Tiefe
  • Besonders tiefe Trance – Deep Hypnobalancing™

 

1. Leichte Trance – Somnolenz

 

Merkmale:

  • Vollkommene physische Entspannung
  • Katalepsie von Augenlidern und Gliedmaßen
  • Vollkommene Erinnerung an alle Suggestionen
  • Ausführung von einfachen Suggestionen, die keine innere Abwehr hervorrufen
  • Es ist leicht möglich, sich selbst aus dem Zustand zu lösen.

 

Eine leichte Trance (Somnolenz) setzt bei vielen Klienten schon ein, wenn die Augen geschlossen werden und sich ein erstes Gefühl von Entspannung einstellt.

Bei einer leichten Trance unterscheidet sich die Aktivität des Bewusstseins kaum vom üblichen Alltagszustand. Einfache und logische Suggestionen werden angenommen und eine Entspannung der Muskulatur kann beobachtet werden.

Für einige Hypnoseanwendungen reicht schon eine leichte Trance aus, um erwünschte Resultate zu erzielen. Auch Altersregression und Hypnoanalyse sind schon in einer leichten Trance möglich, da sie zusätzlich trancefördernd wirken.

 

 

2. Mittlere Trance – Hypotaxie

 

Merkmale:

  • Ausführung von Suggestionen bei geschlossenen Augen, auch bei unlogischen Suggestionen
  • Kataleptische Starre möglich
  • Hypnotische Anästhesie durch Suggestion möglich
  • Altersregression ist möglich
  • Hypermnesie (extrem gesteigertes Gedächtnis)

 

Die mittlere Trance (Hypotaxie) wird häufig in der Hypnosetherapie eingesetzt. Ein Hypnotisand ist hierbei sehr entspannt, kann aber die Hypnosesitzung noch bewusst wahrnehmen.

Im Zustand mittlerer Trance vertieft sich die Entspannung, der Körper wird teilweise empfindungslos, das Alltagsbewusstsein ist kaum noch aktiv.

Es können Suggestionen gegeben werden, diese aber noch vom Bewusstsein gefiltert. Auch einfache posthypnotische Suggestionen, die mit der Persönlichkeit des Hypnotisanden im Einklang stehen, können gegeben werden.

In mittlerer Trance ist Schmerzunempfindlichkeit (Analgesie) und auch totale Schmerzlosigkeit (Anästhesie) möglich.

 

 

 

3. Tiefe Trance – Somnambulanz

 

Somnambulismus (lat.: somnus = der Schlaf, ambulare = wandern) wird auch als Mondsucht (Mondsüchtigkeit), Schlafwandeln oder Nachtwandeln bezeichnet. In diesen Zusammenhängen handelt es sich um einen Zustand, in dem der Schlafende aufsteht, umhergeht und aktiv ist. Meist sind nach dem Erwachen keine Erinnerungen mehr daran vorhanden.

Im Zusammenhang mit Hypnose wird Somnambulismus als tiefe Form von Trance bezeichnet. Je nach Modell (Erklärungsmodelle zu Trancetiefen) wird dieser Zustand als der bisher tiefste oder vor dem sogenannten Hypnotischem Koma befindlichen Zustand betrachtet. Wobei diese Trancetiefen nur bedingt abgrenzbar sind.

Zahlreiche heutige Anhänger der indirekten Hypnosemethoden beziehen sich auf  Milton H. Erickson und bezweifeln die Rolle dieser Zustände. Mit indirekten Methoden wird dieser Zustand allerdings nur bedingt erreicht. Und auch Milton H. Erickson hatte in seiner Anfangszeit dazu entsprechende direktive Methoden im Einsatz. Letzteres wird heute weitgehend verdrängt. Einige Erfahrungen unterstreichen allerdings auch, das tiefe Trancezustände oftmals entweder nicht notwendig sind und es oft sogar förderlicher ist, wenn das Bewusste in irgendeiner hilfreichen Form teilnimmt. In Fällen in denen die Schaffung von erweiterten Alternativen, die Förderung von Wahlfreiheit und Selbstständigkeit gefördert werden soll, ist die Förderung von Somnambulismus mit Bedacht zu prüfen. Schließlich geht es darum, dem Klienten zu unterstützen. Bei der Showhypnose ist das anders. Showhypnotiseure setzen gerne auf eine absolute Passivität des Bewusstseins und damit auf Somnambulismus. Dazu wählen sie in Regel geeignete Kandidaten aus, anstatt sich der umständlichen Förderung dieses Zustandes zu widmen.

Es existieren allerdings durchaus therapeutische Themenbereiche, bei denen Somnambulismus in das Spektrum der psychotherapeutischen Möglichkeiten einbezogen werden kann. Ein Beispiel dafür den therapeutischen Einsatz ist das Deep Hypnobalancing™.

 

Merkmale:

  • Positive und in sehr tiefer Trance auch negative optische und akustische Halluzinationen
  • Posthypnotische Suggestionen sind möglich
  • Ausführung, auch unlogischer Suggestionen bei geöffneten Augen
  • Oft vollkommene Amnesie (Gedächtnisverlust) für die Zeit der Hypnosesitzung
  • Komplette Persönlichkeitsänderung durch Suggestion möglich
  • Ein eigenes Lösen aus diesem Zustand ist deutlich gebremst, und erfolgt in der Regel erst Suggestionen die massiv den Rapport stören oder deutlichen Widerstand erzeugen.

 

Es werden Suggestionen angenommen, solange diese nicht absolut dem eigenen Wertesystem widersprechen. Auch teilweise auftretende Amnesie ist möglich. Sowohl positive Halluzinationen als auch negative akustische und optische Halluzinationen sind möglich.

Angestrebt wird die tiefe Trance beispielsweise für die hypnotherapeutische Regression, bei der es erforderlich ist das der Hypnotisand auslösende Situationen wieder erlebt.

Ein Großteil der Hypnotisanden benötigt etwas Übung, um diesen Zustand zu erreichen. Mit entsprechender Vorbereitung und geeigneten Techniken ist ein förderlicher Trancezustand für die meisten Menschen nach kurzer Zeit erreichbar.

 

 

 

4. Sehr tiefe Trance – Esdaile-Tiefe

 

Der Zustand der als Esdaile-Zustand bzw. Esdaile-Tiefe bezeichnet wird, ist mit einer sehr tiefen geistigen und körperlichen Entspannung verbunden. Es werden keine Suggestionen mehr angenommen bzw. aktiv darauf reagiert, der Hypnotisand erscheint, als wolle er diesen Zustand voll und ganz für sich erleben und nicht gestört werden. Dieser Zustand kann beispielsweise für Operationen verwendet werden, in der Hypnosetherapie ist er sonst seltener im Einsatz.

Menschliche Regenerationsfähigkeit und physiologische Heilung scheint in sehr tiefer Trance erweitert zu sein. Tiefe Trance in diesem Sinne erzeugt und nutzt Deep Hypnobalancing™.

 

 

 

Verschiedene Modelle der Trancetiefe

 

Durch andere Menschen wurden diverse Differenzierungen vorgenommen. Beispielsweise Ambroise-Auguste Liébeault unterschied zwischen sechs Stufen.

Die Trance vertieft sich immer fließend, wobei tendenziell die Anzahl möglicher Phänomene mit der Hypnosetiefe zunimmt. Viele Trancephänomene sind allerdings auch im normalen Wachzustand möglich und treten lediglich verstärkt auf. Die Trance kann nach mit zunehmendem Erfahrungen des Hypnotisanden weiter vertieft werden.

Insbesondere in der Ausbildung kann die Stanford Scale of Hypnotic Susceptibility Form C sehr gut eingesetzt werden. In der Hypnosetherapie ist die Ermittlung der Trancetiefe mit Skalen unüblich, weil nicht notwendig. Skalen kommen hauptsächlich in der Forschung und Ausbildung zur Anwendung.

 

Weitere Skalen zur Hypnosetiefe sind beispielsweise:

  • LeCron-Skala
  • North Carolina Scale
  • Shors phänomenologische Methode
  • Pergole Scale

Diese älteren Skalen vermischen oft hypnotische Suggestibilität, subjektiv erlebte Tiefe und Entspannung.

Dem Bedürfnis nach eindeutigen Trancetiefen kommt die menschliche Natur nicht nach. So geben solche Modelle lediglich eine grobe Orientierung. Die verbreitete Gleichsetzung von erreichter Trancetiefe und Behandlungserfolg ist in der Praxis nicht im erwarteten Ausmaß gegeben.

 

 

 

Stanford Scale of Hypnotic Susceptibility Form C

 

Zur Ermittlung der Trancetiefe werden verschiedene Tests verwendet. Eine davon ist die Stanford Scale of Hypnotic Susceptibility Form C (SHSS:C).

Die 12 Tests der Stanford Scale of Hypnotic Susceptibility Form C werden nach der Vorbereitung mit Herstellung des Rapport tendenziell zunehmend schwieriger.

 

 

Testschritte Stanford Scales of Hypnotic Susceptibility Form C:

 

  1. Automatisches Senken des ausgestreckten Armes
  2. Automatische Bewegung der Hände auseinander
  3. Auditiv-haptische Halluzination
  4. Gustatorische Halluzination
  5. Armrigidität
  6. Hypnotischer Traum
  7. Altersregression
  8. Schwere und Unbeweglichkeit des Armes
  9. Anosmie (Geruchsunempfindlichkeit)
  10. Positive auditive Halluzination
  11. Negative visuelle Halluzination
  12. Posthypnotische Amnesie

 

Ein Tes­tschritt gilt als erreicht, wenn eine von außen be­ob­acht­bare Re­ak­tion auf eine Test­sug­ge­s­tion er­folgt.

 

 

 

 

 

 

Ergänzende Artikel

 

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Sicherheitshalber: Diese Seiten informieren Sie, wenn Sie an einer Hypnosetherapie bzw. Psychotherapie bei mir interessiert sind. Die Informationen ersetzen weder eine Psychotherapie bzw. persönliche Beratung noch die Untersuchung oder Diagnose durch einen approbierten Arzt. Die zur Verfügung gestellten Inhalte können und dürfen nicht zur Erstellung eigenständiger Diagnosen und/oder einer Eigenmedikation verwendet werden.

Die Tätigkeit als Hypnosetherapeut (staatliche Zulassung zur Ausübung von Psychotherapie nach dem HPG) grenzt sich grundlegend von der Tätigkeit eines Arztes ab. Es werden weder medizinische Diagnosen gestellt, Heilungsversprechen abgegeben oder Medikamente verabreicht. Eine gegebenenfalls erforderliche medizinische oder psychiatrische Intervention soll durch die hypnotherapeutische Arbeit keinesfalls ersetzt werden.

Bei Fragen zu meiner Arbeit mit Hypnose scheuen Sie sich bitte nicht, mich zu kontaktieren. Ich berate Sie gerne.

P.S.

 

Haben Sie dazu Fragen? Dann beantworte ich sie hier auch gleich für andere Betroffene.

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Erstveröffentlichung: 11.2.2002
Letzte Überarbeitung: 21. Mai 2019
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Ü:
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